TotemPoles

Hello Ricarda , was a plesure to meet you! Congratulations for the exhibition. Success! Hug. Zina

 

Konstante Veränderung
Der künstlerische Weg von Ricarda Peters bewegt sich fließend und kontinuierlich in steter Steigung und ist von diversen Wegmarken im Palazzo Albrizzi gekennzeichnet, wo die deutsche Künstlerin ihre Arbeiten in "Trash" 2002 und 2009 im Kollateralevent der 53. Biennale "Das Theater der Erinnerung zeigte. Diese Malerin, Fotografin, Performerin, stets innovativ, schafft es uns immer wieder aufs neue in einer magischen Atmosphäre des Waldes zu erstaunen und in ihren Bann zu schlagen. Ihre Installation versucht den "Deutschen Wald" heraufzubeschwören, der schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Gedichten, Fabeln, Legenden und Volkssagen der Romantiker beschrieben und gepriesen wurde und so zum Symbol für die deutsche Kultur schlechthin aufstieg, auch im Kontrast zur französischen Urbanität, wie auf den Seiten Heinrich Heines und Madame de Stäels.

Der Wald war mit historischen und mythologischen Ereignissen verknüpft, versetzt nach Tacito zurück in der Beschreibung der Schlacht bei Teutoburgo oder in die Mystik der Natur, die das Nibelungenlied durchzieht."Der Wald" von Ricarda Peters, Naturphänomen, Subjekt von Verlust und Erneuerung, ist eine imposante Installation: sie könnte gar ein "Nemeton", der heilige Ort der keltischen Religion, sein. "Nementa" befanden sich an Orten in der Natur, wo, so glaubte man, die fließende, regenerative Energie mit größerer Kraft wirkte. Die Druiden, die Priester der Kelten, bevorzugten geschützte Orte auf Lichtungen Mitten im Wald für die Stätten ihrer Tempel. Der lateinische Begriff "Nementa", also "heiliger Wald", kommt sogar ursprünglich von "Nemeton", mit seiner geweihten Bedeutung. Der Wald atmet, pulsiert belebt von Stimmen, er ist ein lebendiges Organ, das beständig die Krise von Tod und Wiedergeburt erlebt. Der Wald von Ricarda Peters entfaltet deshalb genau das Leitthema von "Overplay" und fügt sich nahtlos in das Kollateralevent der 55. Kunstbiennale von Venedig ein. Wenn man aber Peters als neue Priesterin in einem von ihr geschaffenen Tempel versteht, begeht man einen fatalen Fehler.

Die Künstlerin ist vielmehr eine weise Orchesterdirigentin, deren weite und arationale Gesten die Tonalität einer umfassenden Sinfonie hervorbringen, die sich statt in Töne, in eine chromatische Vielfalt verwandelt, einmal intensiv, einmal leicht. Aus der sinfonischen Studie "Der Wald" entwickelt sich eine sozialen Partitur, die zu einer Wiederinbesitznahme unveränderlicher Werte in ihrer Veränderlichkeit neigt. Der Wald sollte sich durch die Jahreszeiten hindurch verändern können, ohne unter einer Unkultur, der Aggression von saurem Regen und den Angriffen von Bulldozern zu leiden. Selbst wenn aus dem Mangel an Respekt gegenüber der Natur neue Neologismen geboren werden, wie beispielsweise "Waldsterben", werden diese doch gleichgültig in unsere Alltagssprache integriert. Für das Erwachen eines Bewusstseins ist es vielleicht schon zu spät. Glücklicherweise gibt es noch Künstler, die dort Weitblick besitzen, wo wir ihn verweigern oder auf die Zukunft verschieben. Ricarda Peters, immer auf der Suche nach dem magischen Kontakt mit den Elementen der Natur, zeigt uns ökologisch sinnvolle Lösungswege auf, dank ihrer Voraussicht, die ihr durch den Verstand gegeben ist, wenn er mit dem Gefühl harmonisiert, und sie einen Zustand der "A-Rationalität" erreicht.

  Palazzo Albrizzi 2013
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