NEW YORK 1998

 

 

3 Monate Arbeitsaufenthalt in New York zusammen mit Monika Rohrmus

Atelier im Stella Adler Conservatory Lafayette Street 419
Brief aus New York an den Wiesbadener Kurier am 25.06.1998

New York – der Strand an den alles angeschwemmt wird – die tadt globaler Verflechtungen – hier manifestiert sich alles ultra -mega, weißes Licht, schwarze Schatten. Magisch eröffnet sie sich uns – reißverschlußartig; wir scheinen am rechten Ort zu sein, im genauen Augenblick angekommen, um zu finden, was wir suchen. Randvoll und pulsierend ist jeder Tag aufs Neue ein Ansturm auf Nerven und Sinne. Die Neugierde wird zur Begierde, die unausgesetzt Nahrung findet.

In nur vier Tagen lösen wir unsere Wohnungsfrage, ziehen mehrfach um. Greenwich Village – Künstleroase, dort trifft sich alles, Maler, Bidhauer, Musiker – wir finden Freunde. Dann in die 30th Straße, „ Martha Washington Hotel“, ein bischen schräg und nur für Frauen. Aber piccobello. Zimmer geblümt im Landhausstil mit Bad und preiswert! Edel der Blick aufs Empire State Building, nachts in blaues Licht getaucht. Dann weiter in die 55th - Street West ein Apartment wie zu Hause. In der Nähe der Central Park, grünes Refugium, um aus der steinernen Gigantomanie zu entfliehen, an einen Teich mit Enten. Aber längst haben wir uns schon an die Brandung aus undefinierbaren Geräuschen gewöhnt, die nur noch übertönt wird vom Heulen der Ambulanzen und den staccatoartigen Warnsignalen der Polizei.

Das Glück, ein Atelier gefunden zu haben. Beste Adresse, Stella Adler Conservatory, Heilige Hallen. Robert de Niro, Whoopie Goldberg, Marlon Brando u.a. sind daraus hervorgegangen. Ein Klassenzimmer ist gemietet, leer mit weißen Wänden. Hier haben wir uns festgesaugt, mit Lust täglich darin zu arbeiten.

Erinnerungen an die Heimat verblassen allmählich, machen der Gegenwärtigkeit Platz. Die Energie, die hier pulsiert, trägt und fordert, schleudert einen geradezu in einen Strudel nimmer enden wollender Aktivität, so daß die Nacht, der Schlaf zu lang wird, bis der Tag aufs Neue beginnt mit unerwarteten Möglichkeiten, zu jedem Zeitpunkt, an jedem Ort , in diesen Schmelztiegel einzudringen, hinein zu geraten.

 
     
 

MANHATTAN ALPHABET

 
  New York 1998 - 62x48 cm, acryl/chalk/paper on canvas  
     
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